Therapie der ALS
ALS ist eine Krankheit, bei der es bisher
keine Heilung und keine Therapie im klas-
sischen Sinne gibt.
So zielt die Therapie auf eine Verlangsa-
mung der Krankheit (neuroprotektive
Therapie) und auf eine Behandlung der
ALS-bedingten Beschwerden
(symptomatische Therapie).
Nach der Diagnosestellung der ALS wird
die Therapie mit dem Medikament Rilutek
empfohlen. Seit 1996 ist Riluzol (Rilutek®)
als erstes und international einziges
Medikament gegen die ALS zugelassen. Der wirksame Bestandteil in
RILUTEK, Riluzol, wirkt auf das Nervensystem. Die genaue Art und Weise
seiner Wirkung bei ALS ist jedoch nicht bekannt. Man vermutet, dass die
Zerstörung von Nervenzellen bei den Motoneuronerkrankungen
möglicherweise durch zu viel Glutamat, einen chemischen Botenstoff
(Neurotransmitter), verursacht wird. Riluzol hemmt die Freisetzung von
Glutamat, und dies könnte dazu beitragen, die Schädigung der
Nervenzellen zu verhindern.
In zwei großen Studien wurde eine Lebenszeitverlängerung von 3 Monaten
nachgewiesen.
Weiter hört man auch über die Einnahme von Vitamin E. Dazu möchte ich
nur sagen, dass auf Grund der derzeitigen Studienlage offenbar keine Em-
pfehlung für eine Vitamin-E-Behandlung gegeben werden kann.
Vor einem guten Jahr wurden erstmals die Ergebnisse der italienischen
Lithium-Studie bei der ALS veröffentlicht.
Die Lithium-Studie bei der ALS hat ein beträchtliches Hoffnungspotential
bei ALS-Patienten erzeugt. Zusammenfassend ist zu sagen, dass die bis-
herigen Ergebnisse leider keine Schlussfolgerungen zulassen, dass mit
Lithium eine Heilung oder hocheffektive Behandlung der ALS zur Verfü-
gung steht.
Im weiteren Krankheitsverlauf bekommen die Physiotherapie, die
Ergotherapie und die Logopädie eine große Bedeutung.
Physiotherapie
Eine spezielle Therapie zur Behandlung der ALS wurde bisher nicht ent-
wickelt. Empfehlenswert ist eine regelmäßige, 2- bis 3- Mal wöchentliche
Behandlung. Die Physiotherapie stellt die Grundlage der Paresen-Behand-
lung bei der ALS dar. Gleichzeitig ist zu betonen, dass sie der Linderung
von Beschwerden dient, jedoch das Fortschreiten der Erkrankung nicht
verhindern kann. Die Ziele der Physiotherapie sind der Funktionserhalt
der noch intakten Muskulatur, die Kontraktur-, Thrombose- und Pneumo-
nieprophylaxe.
Ergotherapie
Im Mittelpunkt der Ergotherapie steht vor allem die Versorgung und Anpas-
sung geeigneter Hilfsmittel, die im Krankheitsverlauf ständig ändern.
Logopädie
Die Logopädie wird bei der ALS dann zentral, wenn es sich um eine bul-
bäre Symptomatik handelt, also die Zungen-, Rachen- und Gaumenmus-
kulatur beeinträchtigt ist und die Atmung, das Schlucken und Sprechen be-
troffen sind.
Schlucken
Wie ich bereits erwähnt habe, kann es, sobald die Zungen-, Gaumen- und
Rachenmuskulatur betroffen ist, zu einer beeinträchtigten Boluskontrolle
sowie insuffizienten pharyngealen Bewegungen führen und es kommt zu
Schluckstörungen.
Zu Beginn sind sicher Übungen zur Mundmotorik sinnvoll. Im Weiteren
müssen Haltungsanpassungen und alternative Schlucktechniken geübt
werden und die Nahrungskonsistenz muss angepasst werden (Weichkost,
pürierte Nahrung, Flüssigkeiten eindicken). Dies ist sehr abhängig vom in-
dividuellen Verlauf.
Bei zunehmender Problematik ist das Einsetzen einer Magensonde ein
zentrales Thema.
Die Frage vom Einsetzen einer Magensonde ist dann angezeigt, wenn
•
die Dauer der Mahlzeiten stark verlängert ist
•
es zu einer Mangelernährung kommt
•
zu wenig Flüssigkeit aufgenommen werden kann und die Gefahr einer
Dehydratation besteht
•
es zu einer ungewollten Gewichtsabnahme kommt
Mit der PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) kann dann
die orale und nonorale Ernährung kombiniert werden. Für viele Betroffene
fällt damit ein enorm grosser Druck weg und die Lust am Essen kann blei-
ben!!!
Atmung / Sprechen
Die Funktionsbeeinträchtigung der Atem-, Zungen-, Rachen- und Gaumen-
muskulatur führt auch zu einer Dysarthrophonie. Der Beginn ist eine er-
schwerte Artikulation, bis hin zur Unfähigkeit, verbal zu kommunizieren.
Typische Zeichen der veränderten Zungenmuskulatur sind Fibrillationen
des Zungenkörpers sowie eine Zungenatrophie und –parese.
Anfänglich werden dem Betroffenen Übungen für die Mundmuskulatur ge-
zeigt und hauptsächlich Gewicht auf das Ausschöpfen der physiologischen
Reserven gelegt.
Bei einer fortgeschrittenen Dysarthrophonie müssen Kommunikationshilfen
wie einfache Kommunikationstafeln oder Sprechcomputer eingesetzt wer-
den, um eine Verständigung mit der Umwelt bis zu einem gewissen Grad
weiterhin zu ermöglichen. Dies ist jedoch auch nur solange möglich, wie
der Betroffene mit seinen Händen solche Kommunikationshilfen benutzen
kann. Im Weiteren ist dann die Verständigung nur noch über Augenbewe-
gungen möglich, indem z.B. bestimmte Zeichen (Blinzeln) für /JA / und
NEIN / abgemacht werden.
Treten bei der Atmung pulmonale Probleme auf, ist der Hustenstoss zum
Abhusten von Sekret ineffizient oder besteht die Gefahr einer Aspiration
von Speichel, muss allenfalls auch eine Trachealkanüle eingesetzt wer-
den.
Ganz kurz zusammengefasst (Sie sind ja hier im Hause vertraut mit dem
Kanülenmanagement), ermöglicht diese die Beatmung, das Absaugen
und mit einem entsprechenden Einsatz ist auch das Sprechen möglich.
Der Entschluss zu einer Tracheotomie ist ein grosser Schritt und die Betrof-
fenen müssen gut und rechtzeitig informiert werden.